Geopolitisch bedingte Risiken in der Technologie-Lieferkette setzen Unternehmen und Organisationen gegenwärtig immens unter Druck. Die entscheidende Frage, die wir uns daher stellen müssen, lautet: Wie bleiben wir handlungsfähig, wenn ein zentraler digitaler Dienst ausfällt, kompromittiert wird oder kurzfristig nicht mehr verlässlich verfügbar ist?
Digitale Souveränität gibt darauf eine pragmatische Antwort. Im Kern geht es darum, Handlungsoptionen aufzubauen, und zwar gerade dort, wo Abhängigkeiten geschäftskritisch werden. Auf die aktuell viel diskutierten Cloud-Dienste übertragen bedeutet das einerseits, Systeme so zu gestalten, dass ein Wechsel grundsätzlich möglich ist. Es bedeutet andererseits aber auch, sich vor allem bewusst zu machen, welche Daten wo liegen, wer Zugriff hat und welchem Rechtsrahmen sie unterliegen. Europas Vorgaben, darunter NIS2 und DORA, verstärken diese Entwicklung zusätzlich, indem sie Resilienz, Transparenz und klar geregelte Zuständigkeiten verbindlich einfordern.
Konkrete Schritte in Europa
Dass dieser Ansatz längst operativ umgesetzt wird, zeigen konkrete Beispiele aus der aktuellen Projektlandschaft. So hat etwa der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag seine Arbeitsumgebung auf eine Lösung des Zentrums für Digitale Souveränität in Deutschland umgestellt. In Österreich migrierte das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus kritische Teile seiner Kollaborationsumgebung gemeinsam mit Atos zu Nextcloud, um Datenhoheit, regulatorische Konformität und betriebliche Steuerbarkeit konsequent abzusichern.
„Made in Europe“
bekommt eine neue Bedeutung und steht folglich für Verlässlichkeit, Nachvollziehbarkeit und verantwortbare digitale Wertschöpfung.
Darin liegt auch die größere Perspektive für Europa: Digitale Souveränität schafft die Grundlage, auf der Innovation dauerhaft tragfähig wird. Wer kritische digitale Prozesse kontrollierbar gestaltet, gewinnt Tempo in der Umsetzung, stärkt das Vertrauen in digitale Systeme und erhöht die Investitionssicherheit.
„Made in Europe“ bekommt damit eine neue Bedeutung. Der Begriff steht folglich für Verlässlichkeit, Nachvollziehbarkeit und verantwortbare digitale Wertschöpfung. Wo europäische Technologiekompetenz auf lokale Umsetzungskraft trifft, entstehen leistungsfähige Systeme mit Stabilität im Alltag und Belastbarkeit im Krisenfall. Europas digitale Zukunft entscheidet sich damit weniger an der Größe einzelner Plattformen als an der Fähigkeit, verlässliche und belastbare digitale Strukturen aufzubauen.
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