Diese Frage wird nicht nur in Meetingräumen diskutiert, sondern steht auch im Mittelpunkt der Frühjahrsveranstaltung 2026 der CCFA, die gemeinsam mit Forvis Mazars und der Austrian Business Agency veranstaltet wird. Im folgenden Interview gibt Günther Mayrleitner, Partner bei Forvis Mazars, einen Ausblick auf die zentralen Themen und Fragestellungen der Veranstaltung am 14. April.
CCFA: Österreich im Jahr 2026: Drei Schlagworte, die den Wirtschafts- und Industrie-standort am besten beschreiben, sind…?
Günther Mayrleitner: Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer überzeugen seit Jahrzehnten durch Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und eine starke Exportorientierung. Die geopolitischen Veränderungen der letzten Jahre haben die vertraute Stabilität der Nachkriegsordnung jedoch aufgebrochen und ein fragileres wirtschaftliches und politisches Umfeld hinterlassen. Das Jahr 2026 wird aufgrund der jüngsten Ereignisse im Nahen Osten wohl wieder von Unsicherheit, steigendenEnergiepreisen und anstatt der erwarteten, sanften konjunkturellen Erholung von einer Rezessionsgefahr geprägt sein.
CCFA: Welche der jüngsten Entwicklungen – ökonomisch oder politisch – hat den Standort am stärksten geprägt?
G. M.: Die Innovationskraft mit einer hohen F&E Quote sowie das duale Ausbildungssystem mit dem dadurch geschaffenen Fachkräftepotential zählen sicherlich zu Österreichs Stärken. Dennoch fällt das Land in internationalen Rankings zunehmend ins Mittelfeld zurück. Gründe dafür sind hohe Lohnkosten, starke Rohstoffabhängigkeiten, überbordende Bürokratie und fehlende Strukturreformen. Besonders die Lohnsteigerungen in den Jahren 2023 und 2024 von insgesamt rund 20 % konnten produktivitätsseitig nicht kompensiert werden und lasten auf der Wettbewerbsfähigkeit.
CCFA: Wenn Sie ehrlich bilanzieren: Wo liegen aktuell die größten Chancen – und die größten Risiken für Österreich?
G. M.: Österreich verfügt über enormes zusätzliches Potenzial, wenn es gelingt, durch Reformen in den Bereichen Gesundheit, Pensionen und Föderalismus finanzielle Spielräume zu schaffen und gezielt Zukunftsthemen zu fördern. In einem Hochlohnland wie Österreich kann Wettbewerbsfähigkeit langfristig nur über Innovation sichergestellt werden. Chancen liegen in der konsequenten Transformation hin zu erneuerbarer Energie, einer Reform des Bildungssystems, um die Fachkräfte der Zukunft auszubilden sowie in gezielter Betriebsansiedelung. Dies verbunden mit der Förderung von Forschung und Entwicklung etwa in den Branchen Energie- und Umwelttechnologien, Künstliche Intelligenz und Robotik sowie Life Science & Biotechnologie. Der politische Rahmen muss hierfür mutig und strategisch gesetzt werden, um einer drohenden Deindustrialisierung des Landes entgegenzuwirken.
CCFA: Herr Mayrleitner, wie attraktiv ist Österreich aktuell wirklich für Investoren und internationale Industrieunternehmen?
G. M.: Österreich punktet weiterhin mit starken Rahmenbedingungen wie hoher Lebensqualität, hervorragenden Fachkräften, sehr guter Infrastruktur und der Nähe zu den wichtigen Märkten Mittel- und Osteuropas. Mit der Industriestrategie 2035 tritt die Bundesregierung an, das in den letzten Jahren verloren gegangene Terrain wieder aufzuholen und setzt auf eine Technologieoffensive, Fachkräfteentwicklung sowie den Ausbau wirtschaftlicher Resilienz. Dazu wird Generalsekretär Dr. Gruber am 14. April einen Überblick geben.
CCFA: Welche Maßnahmen müssten jetzt gesetzt werden, damit Österreich wettbewerbsfähig, nachhaltig und zukunftsorientiert bleibt?
G. M.: Wir haben für die traditionelle Frühjahrsveranstaltung der CCFA bewusst den grundsätzlichen Titel „Wirtschafts- und Industriestandort Österreich: Quo vadis?“ gewählt. Dies, weil wir überzeugt sind, dass Österreich (wie auch Europa) vor wesentlichen Weichenstellungen steht, für die es eine umfassende öffentliche Debatte braucht, um möglichst breiten Konsens zu den erforderlichen Maßnahmen zu erzielen. Wenn Du mich fragst, welche Maßnahmen ich mir wünsche, dann sind das die Stärkung des Zusammenhaltes in Europa, um den Binnenmarkt zu vertiefen, den Ausbau von erneuerbaren Energiequellen, um die diesbezügliche europäische Abhängigkeit zu reduzieren, eine radikale Entbürokratisierung der Verwaltung, eine gemeinsame Migrations- und Verteidigungspolitik sowie eine europäische Wirtschaftspolitik mit dem Fokus auf Schlüsselindustrien.
Kontakt:
Forvis Mazars Austria
Kärntner Ring 5-7, 1010 Wien
Günther Mayrleitner, Partner
✉ guenther.mayrleitner@forvismazars.com

